Nadine Horn

Barfuß-Coach Nadine Horn berichtet im Interview aus ihrem Erfahrungsschatz als Triathletin und gibt Tipps für Athleten und Freizeit-Läufer.

Nadine Horn,  Vivobarefoot-Coach, Triathletin, Abenteurerin, Filmemacherin und Autorin  war beim legendären Triathlon  “Challenge Roth” zur Unterstützung unseres Vivobarefoot-Messestandes zu Gast. Ihre kostenlos angebotenen Coaching-Einheiten fanden bei vielen Athleten großes Interesse. Nadine wurde 3 Tage lang von früh bis spät nicht müde, mit viel Hingabe zahlreiche individuellen Laufstile zu analysieren. Viel bewundert wurde auch das patentierten Lamellenlaufband “Desmo”, welches uns von Woodway für das Coaching zur Verfügung gestellt wurde. Ein herzliches Dankeschön an Woodway! Es ist laut unserer Vivobarefoot-Coaches das beste Laufband auf dem Markt, weil es durch die patentierte Lamellentechnik die natürliche Laufsituation optimal imitiert.

auf dem Woodway Laufband "Desmo"

früh übt sich....

INTERVIEW VIVOBAREFOOT- LAUFCOACH UND ABENTEURERIN NADINE HORN

Susanne Dahn: Nadine, Du bist Vivobarefoot-Running-Coach.Wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich dazu bei Lee Saxby, dem wohl renommiertesten Barfuß-Lauf-Coach ausbilden zu lassen?”

Nadine Horn: Mein letztes selbst-organisiertes Abenteuer war ein Triathlon durch 3 Länder: 680 km mit dem Fahrrad durch die Schweiz, 200 km schwimmend durch die Donau und 260km quer laufend durch Österreich.

 

Bei bei meinem Lauf (mit konventionellen, gepolsterten Laufschuhen) ging so einiges schief: von heute auf morgen schwellte mein Knie an und meine Achilles Sehne entzündete sich.

Ich hatte viele Fragen und  war zum damaligen Zeitpunkt der Meinung, dass ein “gutes” Paar der üblichen Laufschuhe so etwas  verhindern könne. Dann begegnete ich auf der Outdoor Expo in Friedrichshafen der Vivobarefoot Training Clinic . Ein großes Poster mit der Aufschrift ‘Running is a skill’ erweckte meine Neugier. Ich hatte mir zuvor nie Gedanken darüber gemacht, dass es problematisch sein könnte, moderne, fett gepolsterte und Aufprall absorbierende Laufschuhe zu tragen. Ben Le Vesconte von Vivobarefoot UK gab mir einen Einblick in das Verständnis von bio-mechanischer Fortbewegung . Beim Laufen ist es wichtig,  den Fuß seiner Anatomie entsprechend einzusetzen, also die richtige Technik zu lernen. Das machte für mich  Sinn. Ben stellte mich schließlich Lee Saxby vor und eine wichtige Entscheidung war gefallen: ich ließ mich zum Coach ausbilden.

Susanne Dahn: Running” mag ja ein “Skill” sein, aber das ist für uns Menschen doch eigentlich eine natürliche Fortbewegungsart, die wir schon als Kinder instinktiv erlernen. Macht diese Tatsache ein Barfuß-Coaching nicht überflüssig?

Nadine Horn: Sobald wir  als Kinder Schuhe an die Füsse bekommen, verlernen wir so einiges was natürlich ist, wie zum Beispiel die wichtige Fähigkeit, unsere großen Zehen adäquat zu benutzen. Viele der herkömmlichen Schuhe wölben sich sogar an den Spitzen nach oben, das hebt die Zehen beim Stehen künstlich an und verhindert die essentielle Funktion der großen Zehe als Ankerpunkt beim Stehen. Da die verschiedenen Bewegungsformen aufeinander aufbauen, ist die Kompetenz richtig stehen zu können, die Basis für natürliches Gehen und Laufen. Bei der natürlichen Barfuß-Lauftechnik spielen auch folgende Punkte eine wichtige Rolle:

  • Haltung
  • Rhythmus
  • Entspannung

Versuchen wir nun aber uns uns selbst zu korrigieren, denken wir während der Bewegung zuviel nach. Mit einem Coach hingegen kannst Du schon innerhalb einer Coaching Session die Lauftechnik gravierend verbessern. Lee Saxby ist ein smarter Mann und hat ein geniales Coaching-Konzept entwickelt. Mit Hilfe von einfachen Übungen lernt das Gehirn wieder was natürlich ist. Zehen-Yoga ist ein Bestandteil davon. Es ist faszinierend zu beobachten, dass es vielen Leuten  zu Beginn sehr schwer fällt (so ist es mir am Anfang auch ergangen), die große Zehe unabhängig von den anderen Zehen zu bewegen. Das ist eine natürliche Fähigkeit, die wir durch Übung wieder zurückerobern können.

Susanne Dahn: Du hast nun also die Ausbildung bei Lee Saxby absolviert und die richtige Lauf-Technik gelernt. Da drängen  sich mir sofort folgende Fragen auf:

  • Konntest Du durch dieses  Know How sofort neue Herausforderung ohne Verletzungen meistern?
  • Was machst Du jetzt anders?

Nadine Horn: Sobald du ohne Schuhe läufst oder alternativ nur noch solche trägst, die dem Fuß die Freiheit geben, sich genauso zu verhalten, wie er es barfuß tun würde, indem die Schuhe maximales Feedback bieten und den Fuß gleichzeitig maximal schützen, beginnst du eine aufregende Reise. So war es bei mir.  Mein vorbereiteter “1000 Meilen Barfuss durch England”-Lauf musste leider verschoben werden, weil auf einmal mein rechter Fuß dick wurde (mein Pensum: ca. 70 Meilen pro Woche). Da fragte ich mich, was ist denn jetzt passiert? – Ich dachte, alles würde reibungslos funktionieren. Es konnte nicht der Schuh sein (ich trug ja mehr oder weniger keinen), meine Technik war gut und so machte ich mich auf die Suche nach Experten. David Thunder (www.thundertraining.co.uk), ein guter Freund, mit genialem Ruf in seinem Feld, untersuchte mich. Er diagnostizierte ein verdrehtes Becken, verursacht durch einen kleinen Fahrradunfall, den ich bereits total vergessen hatte und lokalisierte mehrere Trigger Punkte (kleine verkrampfte Zonen in der Muskulatur). Das alles führte zu einem Ungleichgewicht. Es wurde mehr Gewicht auf meine rechte Körperhälfte verlagert. Das erklärte die Schwellung im Fuß. Jetzt bin ich wieder beim Training. Inzwischen hat sich auch noch eine Schwäche des Gluteus Medius gezeigt, die ich nun gezielt angehen kann. Wenn ich weiterhin in konventionellen, gepolsterten Laufschuhen gelaufen wäre, wäre dass wahrscheinlich nicht ans Tageslicht gekommen. Irgendwann hätte ich dann mal Probleme bekommen, aber nicht gewusst woher. Dabei ist es so wichtig, die Ursachen von Problemen aufzudecken, anstatt nur die Symptomen zu bekämpfen. Ich hab jetzt einfach mehr Möglichkeiten mit meinem Körper zu arbeiten, Defiziten vorzubeugen und dass genialste,   mehr dazu zu lernen, um ein besserer Athlet und somit auch Coach zu werden. ”

Susanne Dahn: Hast Du spezielle Tipps für Triathleten ?

Nadine Horn: Technik ist alles, wie wir als Triathleten wissen – dass richtige Laufen gibt Dir eine zusätzliche Chance effektiv mit deinem Körper zu arbeiten. Wenn du klassische Laufschuhe trägst und du dir  eine Verletzung zuziehst, machst du normalerweise eine Pause und hoffst dann, dass alles wieder gut wird oder du versuchst es mit einem anderen Schuhmodell der gleichen Kategorie. Je weniger wir vom Schuh beeinflusst werden, desto mehr Kontrolle haben wir über unsere Technik. Falls dann irgendein Schwachpunkt im Körper auftritt,  können wir aktiv daran arbeiten. Probleme mit der Achillessehne oder der Wade sind zum Beispiel recht verbreitet. Das kann auf eine beschränkte Beweglichkeit im Fußgelenk hinweisen. Dafür gibt es Lösungen. Mein Tipp : wenn du Verletzungen hast oder dich fragst, wie du deine Technik verbessern kannst, versuche, auch  im Alltag mehr barfuß zu gehen und die richtige Lauftechnik zu lernen. Beginne grundsätzlich mit kleinen Einheiten und steigere dann langsam. Ich stehe gerne für konkrete Fragen von Athleten zur Verfügung. Auch ein guter Tipp, das Buch “Barfusslaufen verstehen” von Lee Saxby lesen. (Hier findest du den kostenlosen Download). Für mich war diese  Begegnung wie eine kleine “Epiphany.”

Susanne Dahn: Was sollte Deiner Meinung alle Freizeitläufer/innen , auch solche, die nur ab und zu eine kleine Runde drehen, auf jeden Fall beherzigen, damit das Laufen nachhaltig Freude macht und zu einem gesunden Lebensstil beitragen kann ?

Nadine Horn: Erst einmal ist Laufen eine schöne und gesunde Sache für unseren Körper. Schau dir die Kinder an, Bewegung ist für uns natürlich. Hab Spaß daran! Falls du es als schwierig empfindest, kann dass einfach ein Zeichen dafür sein, dass deine Technik optimiert werden kann. Es ist gut, die natürliche Hocke als Routine-Übung zu Beginn und während des Laufes (als kurze Unterbrechung) einzuführen. Damit kannst du sicherstellen, dass es deiner Achillessehne gut geht und die notwendige Beweglichkeit im Fußgelenk gegeben ist. Mache täglich Zehen-Übungen, zum Beispiel während du dir die Zähne putzt. Gehe mit einem Metronom laufen und stelle es auf 180 Beats pro Minute. Das hilft Dir den richtigen Rhythmus zu finden und ihn zu halten. Lass es langsam angehen, die Umstellung kann ein Weilchen dauern. Sollten Probleme auftauchen, betrachte es als eine Chance, mehr über deinen Körper zu erfahren und etwas positiv zu verändern.

natürliche barfüßige Hocke

Susanne Dahn: Nadine, was Du sagst hat  Hand und vor allem Fuß. Der Weg scheint also auch hier das Ziel zu sein. “Don´t just talk about it -do it!” ist auch ein  Tipp, den Du den Lesern deiner spannenden, inspirierenden Webseite als Motto mit auf den Weg gibst. Ihr wollt gleich loslegen? Hier könnt Ihr Nadines nächsten Vivobarefoot-Workshop buchen

Nadine, ich danke Dir ganz herzlich für das Interview und freue mich schon auf weitere gemeinsame Messen. Das ist natürlich auch immer eine schöne Gelegenheit unsere Leser persönlich kennenzulernen.

Nadine Horn: Vielen herzlichen Dank für das Interview und ich kann nur sagen, findet Spaß an der Bewegung!

Susanne Dahn: wie gesagt, Nadine ist  bereit, Euch Lesern hier im Blog konkrete Fragen zu beantworten. Nutzt gleich die Chance und fragt ihr Löcher in den Bauch!